Grausamer Tod durch Mähmaschinen

19. Mai 2016
Pressemitteilung
Grausamer Tod durch Mähmaschinen
Unzählige junge Wildtiere sterben alljährlich auf qualvolle Weise durch Mähmaschinen. Ein angeborener Schutzreflex lässt sie erstarren anstatt zu flüchten. Beim Mähen werden sie deshalb gnadenlos zerstückelt oder unheilbar verletzt. Dabei gibt es viele Möglichkeiten die Tiere zu schützen.
Es gibt keine Statistiken wie viele junge Wildtiere jedes Jahr beim Mähen ums Leben kommen. Schätzungen gehen aber davon aus, dass allein in Deutschland über 100 000 Rehkitze durch Mähmaschinen schwer verstümmelt oder getötet werden. Hinzu kommen zahllose andere Jungtiere, die sich im hohen Gras oder auf Feldern verstecken, wie Feldhasen und am Boden brütende Vogelarten. Denn ausgerechnet zur Mähzeit bringen Rehe und andere Tiere ihre Jungen zur Welt. Viele kommen nur zum Säugen zur ihren Jungen und verlassen sich ansonsten auf den Schutz des hohen Grases. Als Feindvermeidungsstrategie drücken sich kleine Rehe und Hasen bei drohender Gefahr instinktiv reglos auf den Boden. Eine Taktik, die den Jungen bei anrückenden Mähmaschinen zum Verhängnis wird. Denn dieser angeborene Schutzreflex, der ihnen normalerweise das Leben rettet, bedeutet hier den sicheren Tod. Dabei sterben sie in der Regel nicht sofort, sondern werden zerstückelt und schwer verletzt, so dass sie langsam und unter unsäglichen Schmerzen verenden.
Herbert Lawo, Vorsitzender des Landestierschutzverbandes macht deutlich, dass Landwirte, die dieses qualvolle Sterben der Wildtiere mutwillig in Kauf nehmen, gegen das Tierschutzgesetz verstoßen. Laut Tierschutzgesetz sind die Landwirte und Lohnunternehmer verpflichtet, gefährdete Flächen vor dem Mähen nach Wildtieren abzusuchen, das wurde inzwischen auch gerichtlich bestätigt. Doch nur selten sieht man Landwirte, die das wirklich tun. Dabei drohen Landwirten, die wissentlich beim Mähen Rehkitze verstümmeln oder töten, hohe Geldstrafen.
Ein aktuelles „Wildretterforschungsprojekt“ des BMEL beschäftigt sich bereits seit mehreren Jahren mit der Problematik. Im Feldversuch wurden unter anderem tragbare Wildretter und fliegende Drohnen geprüft. Über Infrarotsensoren und Digitalkameras sollen die Multicopter Tiere anhand ihrer Körperwärme erkennen und den Landwirt warnen. Das Projekt ist allerdings noch immer nicht richtig praxistauglich. Lawo mahnt deshalb eindringlich: „Für jeden Landwirt sollte es selbstverständlich sein, die Wiesen unmittelbar vor dem Mähen nach jungen Wildtieren abzusuchen. Nicht nur mit Hilfe von Infrarotsensoren sind die Tiere leicht aufzuspüren. Auch pragmatischere Methoden wie Schutzvorrichtungen an den Maschinen oder das Anbringen von abschreckenden Flatterbändern am Vortag sind eine Schutzmöglichkeit.“
Auch kurz vor dem Mähtermin sind die jungen Tiere noch zu retten:
„Freiwillige Helfer können die Wiesen vor dem Mähen nach jungen Wildtieren absuchen, auch der Einsatz von Hunden hat sich dabei schon bewährt. Laute Geräusche und speziell entwickelte Sirenen können ebenfalls dazu beitragen, dass Rehe ihre Kitze von der Wiese wegführen. Um die Flucht von Tieren auch noch beim Mähen zu ermöglichen, empfiehlt es sich außerdem, die Grünfläche von innen nach außen abzumähen. Brutareale sollten dabei verschont werden und im Interesse des Tier- und Artenschutzes zumindest eine schützende Grasinsel stehen bleiben“, erklärt Herbert Lawo.
Doch nicht nur dem Tier- und Artenschutz wäre so gedient, auch im eigenen Interesse sollten Landwirte beim Mähen vorsichtiger vorgehen und Rücksicht nehmen. Denn wenn Überreste von Tieren in das Futter gelangen, können sich unter Sauerstoffabschluss im Silo gefährliche Erreger ausbreiten. Die von Bakterien produzierten Botulinum-Toxine bspw. gehören zu den stärksten Giften der Natur. Tiere, die mit derartig verseuchter Silage gefüttert werden, erkranken an Botulismus – was zumeist tödlich endet.

 

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